Bericht ist Steilvorlage für Gespräche am deutsch-polnischen Runden Tisch Plaszczek kommentiert Umsetzung der Europäischen Sprachencharta
„Dieser Bericht ist eine Steilvorlage für die Verhandlungen am deutsch-polnischen Runden Tisch“. Mit diesen Worten hat der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier, Klaus Plaszczek (Herford), den Bericht des Europarates zur Umsetzung der Europäischen Sprachencharta in Polen kommentiert.
„Wir fühlen uns in unserer Auffassung zu Fehlentwicklungen im Bereich der Sprachförderung, gerade in Oberschlesien bestätigt. Das haben wir auch, gerade im letzten Jahr geäußert“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes, der sich als Fürsprecher der Deutschen in Oberschlesien sieht. Dies sei in die Gemeinsame Erklärung anlässlich des 20. Jubiläums des deutsch-polnischen Vertrages jedoch leider nicht hinreichend eingeflossen, „auch weil wir nicht die Möglichkeit hatten, hier Einfluss zu nehmen“.
Mit dem Inhalt des Berichts der Expertengruppe müsse nun offensiv umgegangen werden, meint Plaszczek. „Der Bericht bestätigt, dass es erheblichen Nachhol- und auch Korrekturbedarf gibt. Fehlende deutsche Kindergärten und Grundschulen, Entfremdung der Finanzmittel für den Deutschunterricht durch die Kommunen – wenn auch Institutionen auf europäischer Ebene zu diesem Ergebnis kommen, dann offenbart dies, dass in den letzten 20 Jahren viel liegen geblieben ist und nicht angepackt wurde. Für den VdG sollte es Mahnung und Ansporn zugleich sein, die Rechte der deutschen Minderheit gegenüber Warschau mit Hilfe der Bundesregierung noch stärker einzufordern. Auch wir unterstützen unsere Landsleute gerne dabei“, sagt Plaszczek. Sprache sei die Existenzgrundlage der deutschen Volksgruppe in Polen. „Ohne deutsche Bildungseinrichtungen kann die Sprachbindung nicht verbessert werden. Damit geht nach und nach auch die Identität verloren“, stellt Plaszczek besorgt fest.
Wenn also der Europarat Polen dazu ermuntere, deutsche Bildungsinfrastruktur einzurichten und die Kontinuität des Deutschunterrichts in methodisch korrekter Weise (als Mutter-, nicht als Fremdsprache) zu gewährleisten, die Sprache sogar in allen Bereichen des öffentlichen Lebens (Bahnhöfe, Flughäfen, Kultur und Tourismus) zu benutzen, dann zeige dies aber auch, dass ein Minderheitengesetz alleine nicht ausreicht. Es müsse auch mit Leben erfüllt werden. „Diese Mahnung aus Europa sollte unbedingt ernst genommen werden“. Hier seien beide Seiten gefordert, insbesondere aber auch die Polnische, betont Plaszczek. „Wobei wir auch die Bundesregierung in der Pflicht sehen, unsere Landsleute bei der Durchsetzung ihrer Forderungen gegenüber Warschau zu unterstützen“.
Die Landsmannschaft der Oberschlesier werde prüfen, wie sie - auch in Kooperation mit Partnern - unterstützend einwirken kann. Die wichtigste Aufgabe sei, die Tatsachen ins Bewusstsein von Entscheidern auf nationaler und europäischer Ebene zu rücken. |