Eigene TV-Sendung für die SKGD Schlesien: Martin Lippa ante portas – Wie sich ein Vorsitzender selbst ad absurdum führt
Der Traum der Deutschen in der Woiwodschaft Schlesien von einer eigenen Fernsehsendung – ist er nun ausgeträumt? Es könnte so sein. Denn nach Informationen von www.oberschlesien.de soll der Verband deutscher Gesellschaften in Oppeln (VdG) in einer Stellungnahme an TVP Katowice klar gestellt haben, dass er lediglich interessiert sei, die Sendezeit für die deutsche Minderheit insgesamt zu verlängern. Von einer eigens produzierten Sendung der Deutschen in der Woiwodschaft Schlesien soll keine Rede mehr sein.
Vielmehr werde, so die Informationen, auf die, nach eigenen Aussagen, so erfolgreiche und gefragte Sendung „Schlesien Journal“ verwiesen, die von der Produktionsgesellschaft ProFutura produziert, und die auf TVP Opole, TV Siliesia und TVP Katowice ausgestrahlt wird. Diese solle bitte auch weiterhin auch auf TVP Katowice gesendet werden. Das Schreiben der Sozialkulturellen Gesellschaft der Deutschen (SKGD) in der Woiwodschaft Schlesien sei lediglich vor dem Hintergrund zu sehen, dass für die Gesellschaft wichtige Themen aus Zeitgründen nicht gesendet werden könnten. Deshalb sei man interessiert, über eine Sendezeiterweiterung zu reden.
Pikant ist, dass der Vorsitzende der SKGD Schlesien diese Stellungnahme mit unterzeichnet haben soll. Damit würde er sich selbst ad absurdum führen, hat er sich doch, nach Informationen von www.oberschlesien.de, im Dezember 2011 selber an TVP Katowice mit der Bitte gewandt, seiner Gesellschaft Sendezeit zuzuteilen. Dies soll er auch noch mit der fehlenden Repräsentanz seiner Gesellschaft, als Gesellschaft der deutschen Minderheit, im polnischen Regionalfernsehen begründet haben. Deutlich soll in dem Schreiben moniert worden sein, dass das zurzeit auf TVP Katowice gesendete Programm der deutschen Minderheit in Oppeln entstehe und sich auch hauptsächlich an die Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln richte. Die Aktivitäten seiner Gesellschaft würden sich in dieser Sendung überhaupt nicht widerspiegeln. Ganz klar kann damit nur das von ProFutura produzierte „Schlesien Journal“ gemeint sein.
Der gemeine Bürger fragt sich nun: Wes denn jetzt? Lippas Aussage vom Dezember 2011 und die Stellungnahme des VdG, die er auch unterschrieben haben soll, stehen sich, vom Aussagegehalt her, diametral gegenüber. Die eine sagt, man wolle eine eigene Sendung, die andere dagegen behauptet das Gegenteil.
War also alles nicht so gemeint? Wohl kaum. Vielmehr scheint Joanna Mróz, Pressesprecherin der SKGD in der Woiwodschaft Oppeln und Vorstandsvorsitzende der ProFutura Produktionsgesellschaft, eine zweifelhafte Rolle in diesem tragischen Stück zu spielen. Sie könnte kalte Füße bekommen haben, als auf einmal beim VdG ein Brief des Chefs von TVP Katowice hereinflatterte, mit der Bitte um Stellungnahme zu Lippas Schreiben. Plötzlich geisterte womöglich die Möglichkeit im Raum herum, das „Schlesien Journal“ könne den Sendeplatz auf TVP Katowice verlieren, wenn doch die SKGD Schlesien behauptet, dass gerade sie durch diese Sendung nicht repräsentiert werde. Denn warum sollte eine Sendung den regionalen Sendeplatz in Schlesien belegen, die sich lediglich als Verlautbarungsorgan des VdG und der SKGD Oppeln entpuppt? Da stünden die Chancen, dass Lippa einen eigenen Sendeplatz bekommt, ganz gut, zumal die Gesellschaft technisch in der Lage ist, eine eigene Sendung zu produzieren.
Und so wäre es nahe liegend, dass die ProFutura Chefin ihre Felle davonschwimmen gesehen hat. Dieser Eindruck wird durch den Hinweis aus gut informierten Kreisen erhärtet, dass Mróz intern darauf gedrängt haben soll, die Stellungnahme des VdG an TVP Katowice so zu verfassen, dass deutlich werde, es sei von vorneherein alleiniges Ziel von Lippas Brief gewesen, eine Sendezeiterweiterung für die deutsche Minderheit zu erreichen. Diese Aussage habe auch VdG-Chef Bernard Gaida präferiert, heißt es aus dem VdG-Umfeld, angeblich um die Glaubwürdigkeit beider Seiten gegenüber TVP Katowice zu wahren.
Eine solche Passage würde Lippa jedoch nahezu schizophren erscheinen lassen, weswegen er sich auch dagegen gewehrt haben soll. Das nützt ihm freilich gar nichts, denn auch nach der „einfachen“ Kehrtwende hat er seine Glaubwürdigkeit zum größten Teil eingebüßt. Wie will er je nochmals die Anliegen seiner Gesellschaft im Medienbereich vertreten?
Offiziell wird die Kehrtwende zwar mit dem möglichen Sendeplatzverlust für das „Schlesien Journal“ begründet. Dieses wäre jedoch selbst dann noch auf TVP Opole und TV Silesia zu empfangen. Und letztlich soll Lippa ja selbst geschrieben haben, dass diese Sendung die Deutschen in der Woiwodschaft Schlesien nicht repräsentiert.
Vielmehr könnten hier finanzielle Abhängigkeiten eine Rolle gespielt haben. Erstens beziehe Lippa ein Salär von der eigenen Gesellschaft, heißt es. Und zweitens verteile eben der VdG in Oppeln das Geld. Es sich also mit dem VdG zu verscherzen, käme für ihn nicht unbedingt gut. Und so sitzt Lippa bei den eigenen Leuten zwischen de Stühlen und steht beim TVP Katowice klassisch „ante portas“. |