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12.07.2012, 15:11 Uhr | Sebastian Wladarz Übersicht | Druckansicht
Wladarz (LdO) in Warschau: Europaratsbericht muss Konsequenzen haben
Parlamentariergruppen resümierten ein Jahr "Gemeinsame Erklärung"


Ein Jahr ist es her, dass die „Gemeinsame Erklärung“ des deutsch-polnischen Runden Tisches zur Förderung der polnischstämmigen Bürger und Polen in Deutschland sowie der deutschen Minderheit in Polen in Warschau unterschrieben wurde. An gleicher Stelle wollten am vergangenen Dienstag die deutsch-polnischen Parlamentariergruppen aus Sejm und Bundestag in einer gemeinsamen Sitzung einen Rückblick auf die Umsetzung der Erklärung wagen.

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Sebastian Wladarz (2 v.l.) mit den Mitgliedern der Parlamentariergruppen aus Sejm und Bundestag
An dieser Sitzung konnte auf Einladung des Vorsitzenden der Parlamentariergruppe im Bundestag, Georg Schirmbeck, auch der Bundeskulturreferent der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V. (Ratingen-Hösel), Sebastian Wladarz, teilnehmen.
 
Parlamentarier müssen ihre Kontroll- und Informationsfunktion konsequent ausüben
 
„Zweifelsohne, die Einrichtung dieses Runden Tisches und die Arbeit dieses Gremiums sind eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu früheren Zeiten. Es ist ein Gremium in dem die Anliegen beider Gruppen diskutiert werden können, um dann nach Lösungen zu suchen“, erklärt Wladarz. Natürlich gelte es, die deklarierten Ziele aus der Erklärung umzusetzen, doch sei ein Controlling zwischendurch immer sinnvoll, „daher finde ich es gut, dass die Parlamentarier beider Staaten – immerhin beschließen sie ja über die entsprechenden Finanzmittel – sich einfach zusammensetzen, um zu schauen, an welcher Stelle es gut läuft und an welcher eben nicht“, lobt Wladarz die Initiative. Außerdem sei es überhaupt notwendig, die Parlamentarier gut zu informieren. „Wir haben auf beiden Seiten Beauftragte der Regierungen für die entsprechenden Gruppen. Das Beauftragtenwesen hat jedoch immer den Nachteil, dass sich ‚der Rest’ nicht mehr so intensiv mit der Thematik beschäftigt, da man ja dafür extra einen Beauftragten hat. Nicht dass ein falscher Zungenschlag hineinkommt, die Einsetzung von Beauftragten geht in Ordnung, allerdings halte ich eine Situation für unkomfortabel, in der eine Abhängigkeit aufgrund eines übergeordneten Wissens entsteht“, warnt Wladarz und wirbt dafür, dass die Parlamentarier stärker ihre Informations- und Kontrollfunktion wahrnehmen sollten, und zwar zum Wohle der entsprechenden Bevölkerungsgruppen. „Geld muss an richtiger Stelle eingesetzt werden“, sagt der gebürtige Gleiwitzer.
 
Gelder sinnvoll einsetzen: Deutsche Schulen unabdingbar für die Entwicklung der der deutschen Volksgruppe
 
Eine solche richtige Stelle sei die Sprache. Man sei sich zwar einig, dass die Sprache wichtig ist für die Entwicklung der deutschen Minderheit, jedoch bestehe bis heute, das zeige eine Studie der AGMO e.V. aus Bonn, keine einzige (echte) deutsche Schule. „Die Forderung nach deutschen Schulen hat der Verband deutscher Gesellschaften in Polen (VdG) aber, zumindest gegenüber den Präsidenten des Deutschen Bundestages, deutlich artikuliert. Leider ist diese Forderung in dieser Deutlichkeit nicht in die 2011 unterzeichnete ‚Gemeinsame Erklärung’ eingeflossen“, moniert Wladarz. Deshalb sei es unabdingbar, dies immer wieder in Erinnerung zu rufen. „Sprache ist Trägerin der Kultur. Zusammen mit ihr bildet sie einen Grundpfeiler der Identitätsbildung einer Volksgruppe. Daher ist sie eine ‚conditio sine qua non’ für das Überleben der deutschen Volksgruppe in Polen. Dafür brauchen wir aber deutsche Schulen und keine Minimalkompromisse“, ist sich Sebastian Wladarz sicher. Die Diskussion über bilinguale Einrichtungen lenke nur von den Verpflichtungen ab, die Polen vertraglich eingegangen sei.
 
Diese Aussage meint Wladarz durch den Bericht des Europarates zur Umsetzung der Europäischen Sprachencharta in Polen bestätigt zu wissen. „Der Bericht einer unabhängigen europäischen Institution, der schonungslos die Defizite bei der deutschen Schulbildung in Polen aufdeckt und im Übrigen auch aufzeigt, welches Potential für Polen in der Umsetzung der Sprachencharta steckt, muss – unbeachtet aller Deklarationstexte - Konsequenzen für das Regierungshandeln auf beiden Seiten haben“, fordert der Kulturreferent der Oberschlesier, der genau dies auch in der Sitzung der Parlamentariergruppen so vorgetragen hat. Man wolle wissen, inwiefern die Regierungen diesen Bericht ernst nehmen. Dafür könne es aus seiner Sicht nur einen wirklichen Maßstab geben, und zwar die Frage: „Wann entsteht in Oberschlesien die erste deutsche Schule?“
 
Deutsche Minderheit: Forderungen mutiger artikulieren!
 
Hierbei ermutigt Wladarz die Vertreter der Deutschen in Polen, ihre bereits artikulierten Ziele und Forderungen offensiv einzubringen und den Rückenwind aus Europa zu nutzen. „Wer der Meinung ist, dass die strittigen Themen alle erledigt sind und nur noch nach der Umsetzung der beschlossenen Projekte schaut, der wird sicherlich überrascht werden. Man sollte sich auf an einem Runden Tisch nicht einlullen lassen. Die polnische Seite vertritt ihre Postulate offensiv, und das ist völlig in Ordnung. Das heißt aber auch, dass die Deutschen in Polen ebenfalls jede Plattform nutzen müssen, ihre Wünsche mutig darzulegen. Nur die Erfolge des Runden Tisches zu loben, das wird nicht reichen“, sagt der Oberschlesier Wladarz.
 


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