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| 20.11.2009, 00:00 Uhr
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Bundesvorsitzender der LM der Oberschlesier Plaszczek schreibt an Westerwelle
Besetzung des Stiftungsrates der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“
Sehr geehrter Herr Außenminister Dr. Westerwelle,
Ihre zu Ihrer Kollegin Frau Erika Steinbach gemachten Äußerungen in Warschau haben mich und meine Landsleute verwundert. 20 Jahre haben Sie mit Frau Steinbach nach ihrer Entscheidung gegen den Vertrag im Bundestag, zeitweilig in einer Koalition, zusammengearbeitet und ihr demokratisches Votum hingenommen.
Frau Erika Steinbach ist Präsidentin eines Verbandes, der Flüchtlinge, Vertriebene und Aussiedler vertritt. Es ist eine Bevölkerungsgruppe, die, stellvertretend für alle Deutschen, die Hauptlast des schrecklichen Krieges tragen musste. Für linke Politiker war es eine besondere Freude, diese
Menschen zu den Hauptverantwortlichen der größten Katastrophe des letzten Jahrhunderts zu machen. Jetzt, da ihr Schicksal endlich dokumentiert und der Nachwelt als Mahnung hinterlassen werden soll, dürfen sie nicht einmal bestimmen, wer an dieser Dokumentation mitarbeiten darf.
Es soll ja nicht nur die Vertreibung der Deutschen, sondern auch die anderer Völker, z.B. der Polen, gezeigt werden. Bedenkt man, dass es hier um nur eine Stimme von dreizehn geht, kann man nur folgern, dass die Gegner von Frau Steinbach nicht sie als Person verhindern wollen, nein, sie wollen verhindern, dass die Schrecken einer Vertreibung vielen Menschen aus aller Welt nahe gebracht werden sollen, um den Status der Vertriebenen als ewig Gestrige oder Revanchisten für immer zu festigen. Wer die „Charta der Heimatvertriebenen“ richtig gelesen hat, sollte wissen, dass es uns Vertriebenen nie um Rache und Vergeltung ging, sondern nur um die wahrheitsgemäße Aufarbeitung der Geschichte.
Wir Oberschlesier bekennen uns zur Versöhnung im Geiste unserer christlichen Einstellung. Dies beweisen wir, seitdem wir unsere Heimat verlassen haben, weil wir sie lieben. Uns ist der Dialog mit den in Oberschlesien lebenden Menschen wichtig. Da wir mehrheitlich sowohl die deutsche als auch die polnische Sprache beherrschen, ist die Kommunikation verhältnismäßig einfach. Sie hat außerdem den Vorteil, dass wir dem Volk aufs Maul schauen können und verstanden werden. Für Politiker ist dieses zugegebenermaßen schwieriger, darum bieten wir gern und immer wieder unsere Hilfe an.
Sehr geehrter Herr Außenminister, wir sind gern bereit, mit Ihnen über die Situation nach Beendigung des zweiten Weltkrieges und die Gegebenheiten von heute zu sprechen. Bitte bedenken Sie jedoch, dass wir ebenso wie Frau Erika Steinbach Demokraten sind. Auch wenn wir mit der Entscheidung im Bundestag nicht glücklich waren, haben wir sie wie Demokraten stets respektiert und mit viel Engagement in unseren Vereinigungen vertreten. Genauso erwarten wir, dass die Politiker unseres demokratischen Vaterlandes uns endlich als Mitbürger, die gleiche Rechte und Pflichten wie andere haben, behandeln.
In der Hoffnung nicht falsch verstanden zu werden, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Klaus Plaszczek
Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Oberschlesier
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