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11.11.2011, 22:09 Uhr Übersicht | Drucken
Druck aus der polnischen Präsidialkanzlei? Bundespräsident Wulff doch nicht nach Oppeln
Oberschlesier enttäuscht über verpasste Chance

Mit Kritik reagiert die Landsmannschaft der Oberschlesier e.V. (Ratingen) auf die Entscheidung, dass Bundespräsident Christian Wullf nicht, wie angekündigt, die deutsche Minderheit in Oppeln / Oberschlesien besuchen wird.

„Dies ist bedauerlich und zutiefst enttäuschend. Der Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) feiert in diesem Jahr sein 20jähriges bestehen, daher wäre es ein enorm wichtiges Zeichen der Verbundenheit gewesen, wenn der höchste Repräsentant Deutschlands dort zu seinen Landsleuten gesprochen hätte, wo die Mehrheit von Ihnen lebt.“, sagt Bundesvorsitzender Klaus Plaszczek. „Ein Zeichen auf das die Landsleute in Oberschlesien schon lange warten“, ergänzt der gebürtige Hindenburger. Wulff nimmt am 15. November an der Feier zum 200. Jubiläum der Universität Breslau teil und sollte in diesem Rahmen ursprünglich auch nach Oppeln fahren.

Es sei durchaus befremdlich, führt Plaszczek weiter aus, dass nach der Ankündigung von VdG-Päsident Bernard Gaida, der Bundespräsident werde Oppeln / Oberschlesien noch in diesem Herbst besuchen, offenbar umgeplant wurde. Plaszczek: „Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass sich die Oberschlesier auf diese Visite sehr gefreut haben. Vor dem Hintergrund des 20. Jubiläums des VdG aber auch des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages wurde eine große Chance verpasst“, erklärt Plaszczek. Er erinnert hierbei an die Versöhnungsmesse im Jahr 1989 mit Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki, die ursprünglich auf dem St. Annaberg in Oberschlesien geplant war und dann doch nach Kreisau verlegt wurde. „Hierzu sehe ich in der vorliegenden Umplanung gewisse Parallelen, auch wenn sich die Ereignisse nicht vergleichen lassen“. Damals sei die Zeit für einen Besuch in Oberschlesien vielleicht nicht reif gewesen. Doch 22 Jahre danach fühlten sich Oberschlesier „zurecht wieder einmal vor den Kopf gestoßen“.

Dass der Bundespräsident die Deutschen nun in Breslau trifft kommentiert Plaszczek so: „Offenbar ist für die polnische Präsidialkanzlei Breslau ein weniger problematischer Ort, wie damals Kreisau. In der Gegend gibt es keine Gemeinden und Kreise mit deutschen Bürgermeistern oder Landräten, keine Gemeinden mit deutschen Mehrheiten. Man kann daher nur vermuten, dass die Region Breslau für die Polen mit weniger Symbolkraft behaftet und deshalb auch minder brisant ist, als Oppeln“. Immer wieder sei aus gut informierten Kreisen zu hören gewesen, dass die Warschauer Präsidialkanzlei weder die Beteiligung von Vertriebenenverbänden an dem Besuch des deutschen Staatsoberhauptes noch eine Visite seiner in der Region Oppeln gewünscht habe. „Wenn dies wahr ist, dann zeigt es uns, dass wir auf dem Weg zur deutsch-polnischen Freundschaft noch weite Strecken zurückzulegen haben. 20 Jahre nach der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrages hält sie offenbar einen Besuch des deutschen Bundespräsidenten in Oberschlesien noch nicht aus“, zeigt sich Plaszczek enttäuscht.

Die deutsche Seite sei offenbar sehr darum bemüht, im Jubiläumsjahr bloß keine Differenzen auszutragen und gebe auch in dieser Hinsicht nach. Ein weiters Beispiel dafür, dass die deutsche Regierung in diesem Jahr „die Füße still gehalten“ habe, sei die „Gemeinsame Erklärung“ des so genannten deutsch-polnischen Runden Tisches in Warschau gewesen, in der es nicht gelungen sei, feste Grundsteine für eine deutsche Bildungsinfrastruktur in Polen zu verankern. Es sei bloß bei allgemeinen Formulierungen geblieben.

„Wir wollen bewusst nicht scharf formulieren, weil wir zukunftsorientiert sind“, betont der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier, „aber wenn ich das ganze deutsch-polnische Jubiläumsjahr Revue passieren lasse, dann kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen“. Viele Aktionen für die Medien seien darunter gewesen, auch viel fürs Fotoalbum. „Die Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler, die sich schon vor dem Mauerfall für eine Freundschaft zu Polen engagiert haben, hat man kaum bis gar nicht beteiligt“, bedauert Plaszczek. Dass jetzt „der Berg zum Propheten und nicht der Prophet zu Berg kommt“, wie Plaszczek bildlich die Tatsache beschreibt, dass die deutsche Minderheit aus Oppeln nun nach Breslau fahren muss, sei die finale Enttäuschung in einem Jahr ohne wirkliche Höhepunkte. „Jedenfalls nicht für uns Oberschlesier bzw. die deutsche Seite“.

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